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Barrierefreiheit

Untertitel gehören zum Inhalt

Ein Transkript, übersetzte Untertitel und Untertitel für Hörgeschädigte können genau dieselben Wörter enthalten und erfüllen trotzdem drei völlig verschiedene Zwecke. Hier erfahren Sie, wozu welches Format dient, was der Standard vorgibt und wie wir vor dem Veröffentlichen prüfen.

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Eine Zeitleiste für Untertitel: Jeder Untertitel ist über die Dauer eingezeichnet, die er im Bild steht, verglichen mit der nötigen Lesezeit. Ein zu langer Untertitel ist markiert, daneben steht eine gekürzte Fassung, die in das Zeitfenster passt.
Untertitel und Transkript kommen aus demselben Export.

Das Wichtigste in Kürze

  • Untertitel für Hörgeschädigte (Captions) zeigen passend zum Bild alles Gesprochene sowie die Geräusche, die man braucht, um dem Video zu folgen.
  • Laut WCAG brauchen aufgezeichnete synchronisierte Medien Untertitel auf Stufe A und synchronisierte Live-Medien auf Stufe AA, jeweils im Rahmen des Geltungsbereichs und der Ausnahmen des Standards.
  • Automatisch erstellte Texte sind nur ein Entwurf. Namen, Timing, Sprecherwechsel und wichtige Geräusche muss ein Mensch gegenprüfen.
  • Ein Transkript kann Dinge, die Untertitel nicht leisten: Man kann es am Stück lesen, durchsuchen, daraus zitieren und direkt zu einer bestimmten Stelle in der Aufnahme springen.
  • Wir erstellen Untertitel und Transkripte aus einer gemeinsamen zeitcodierten Quelle. Wer dort einen Fehler korrigiert, behebt ihn in beiden Formaten gleichzeitig.

1. Captions, übersetzte Untertitel und Transkripte sind eng verwandt, aber nicht dasselbe

Untertitel für Hörgeschädigte (im Englischen Captions) laufen synchron zum Video mit und bilden neben dem Gesprochenen auch alle anderen Töne ab, die für das Verständnis nötig sind. Sie können außerdem einblenden, wer gerade spricht, oder ein wichtiges Geräusch beschreiben. Gewöhnliche Untertitel (Subtitles) sind dagegen meistens Übersetzungen für Zuschauer, die den Originalton zwar hören, die gesprochene Sprache aber nicht verstehen. Ein Transkript wiederum ist ein fortlaufendes Textdokument. Es eignet sich für reine Audioaufnahmen und ist ideal, um Inhalte zu lesen, zu durchsuchen, zu zitieren oder gezielt darin zu navigieren.13

Alle drei Formate lassen sich aus einer einzigen korrigierten und zeitcodierten Quelle speisen, werden aber unterschiedlich aufbereitet. In einem Transkript ist Platz für ganze Absätze und Kontext. Ein Untertitel hingegen muss in eine kurze Zeile passen, auf dem exakt richtigen Frame erscheinen und darf keinen Text verdecken, der bereits fest ins Bild eingebrannt ist.

2. Was der Standard tatsächlich fordert

In den Richtlinien des W3C sind Untertitel für aufgezeichnete Videos auf Stufe A eingestuft, sofern der Ton nötig ist. Für synchronisierte Live-Medien gilt Stufe AA. Neben dem reinen gesprochenen Wort gehören zu solchen Untertiteln auch der Dialog, Angaben zu den Sprechenden sowie wichtige Geräusche. Welche gesetzlichen Pflichten für Sie gelten, richtet sich nach Ihrem Land und nach dem, was Sie veröffentlichen. WCAG ist dabei ein technischer Standard und ersetzt keine Rechtsberatung.21

Der Unterschied zeigt sich ganz praktisch im Alltag. Ein Link zu einem Transkript unter dem Video ersetzt keine Untertitel, die synchron zum Bild mitlaufen. Umgekehrt gilt das genauso: Wer eine reine Audiodatei hört, kann mit Untertiteln in einem Videoplayer nichts anfangen, wenn er den Text lesen, durchsuchen oder zitieren möchte. Deshalb klären wir immer zuerst, um welches Medium es geht und was die Nutzer brauchen, bevor wir das Format wählen.

3. Sie erreichen weit mehr Menschen, als eine Prüfliste vermuten lässt

Laut der Weltgesundheitsorganisation leben etwa 1,5 Milliarden Menschen mit einem gewissen Grad an Hörverlust, und rund 430 Millionen von ihnen brauchen Rehabilitationsangebote. Untertitel werden aber auch in einer lauten Bar, in einem stillen Büro oder im Klassenzimmer gelesen, wenn jemand in einer Zweitsprache zuschaut oder wenn man den Ton gerade nicht einschalten kann.41

Geschriebener Text bietet Möglichkeiten, die reiner Ton nicht hat. Er lässt sich durchsuchen, zitieren, übersetzen, vergrößern und im eigenen Tempo lesen. Das W3C beschreibt zudem interaktive Transkripte, die den gerade gesprochenen Satz im Text markieren und beim Anklicken einer Passage die Wiedergabe genau an diese Stelle spulen.3

4. Warum automatische Untertitel weiterhin eine Redaktion brauchen

Automatische Spracherkennung nimmt einem den Großteil der Tipparbeit ab. Sie erkennt aber nicht, welcher Fehler schwer wiegt. Ein falscher Nachname, ein verschlucktes „nicht“, ein Zahlendreher oder ein falsch gesetzter Sprecherwechsel können den Sinn einer ganzen Szene ins Gegenteil verkehren. Bedeutungstragende Geräusche tauchen in einer reinen Sprachausgabe oft gar nicht erst auf. Die Praxisleitfäden des W3C weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass automatisch erzeugte Untertitel in der Regel nachbearbeitet werden müssen.1

Bei uns läuft die Korrektur immer mit Blick auf den Originalton ab, eine reine Rechtschreibprüfung reicht da nicht. Hören Sie sich vor allem die ersten und letzten Sekunden genau an, weil dort oft etwas abgeschnitten wird. Prüfen Sie Namen und Zahlen, kennzeichnen Sie Sprecherwechsel und ergänzen Sie Geräusche, die für das Verständnis nötig sind. Schauen Sie sich zum Schluss das fertige Video an: Stimmen Standzeiten, Lesetempo und Kontrast, und verdeckt kein Untertitel einen Namen, der bereits im Bild eingeblendet ist?

5. Unsere Checkliste vor dem Veröffentlichen

Arbeiten Sie mit einer einzigen korrigierten Masterdatei, in der die Zeitmarken pro Wort oder Abschnitt hinterlegt sind, und leiten Sie alle Untertitel- und Übersetzungsdateien daraus ab. Heben Sie die Originalmedien und den Versionsverlauf gut auf. Und testen Sie den Export unbedingt in dem Player, den Ihr Publikum später tatsächlich nutzt. Eine SRT-Datei kann technisch völlig fehlerfrei sein und trotzdem so schnell durchlaufen, dass kein Mensch sie lesen kann.

Genau auf dieser gemeinsamen zeitcodierten Quelle baut KolWrite auf. Bearbeiten Sie den Text direkt neben der Wiedergabe, korrigieren Sie die Angaben zu Sprechern und Sprache und exportieren Sie dann das Format, das Ihr Publikum braucht. Ein Klick auf den Export-Button allein macht ein Video nicht barrierefrei. Erst das fertige Ergebnis sorgt dafür, und das kostet nach wie vor einen Menschen ein paar Minuten Zeit pro Clip.

Häufige Fragen

Sind Untertitel und Captions dasselbe?

Sie nutzen oft dasselbe Dateiformat und können sogar denselben Wortlaut haben. Untertitel für Hörgeschädigte (Captions) sind jedoch dafür da, Sprache und wichtige Geräusche für Menschen abzubilden, die den Ton nicht hören können. Gewöhnliche Untertitel (Subtitles) übersetzen meist nur den Dialog für Zuschauer, die den Ton zwar hören, aber die Sprache nicht verstehen. Je nach Land werden die Begriffe allerdings unterschiedlich verwendet.

Erfüllen automatische Untertitel die WCAG auch ohne Nachbearbeitung?

Ob Sie die Anforderungen erfüllen, hängt allein davon ab, ob die fertigen Untertitel korrekt und vollständig sind. Wie sie erstellt wurden, spielt keine Rolle. Eine automatische Ausgabe ist eine gute Vorlage, aber Namen, Timing, Sprecherzuordnung, verschluckte Passagen und wichtige Geräusche müssen trotzdem von Hand geprüft werden.

Ersetzt ein Transkript die Untertitel im Video?

Meistens nicht. Für aufgezeichnete Videos, deren Ton nötig ist, verlangen die WCAG synchronisierte Untertitel. Ein Transkript zusätzlich zu veröffentlichen lohnt sich aber, und bei reinem Audiomaterial kann es das Hauptergebnis sein.

Wie lang sollte eine Untertitelzeile sein?

So kurz, dass man sie bequem lesen kann, bevor sie wieder ausgeblendet wird. Wir achten deshalb auf die tatsächliche Lesezeit statt nur auf die reine Zeichenzahl und teilen einen Untertitel lieber auf, wenn ein Satz für das gegebene Tempo zu lang wird.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. 1W3C Web Accessibility Initiative, Captions/Subtitles
  2. 2W3C, Understanding WCAG 2.2, Captions (Prerecorded)
  3. 3W3C Web Accessibility Initiative, Transcripts
  4. 4World Health Organization, Deafness and hearing loss

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