Das Wichtigste in Kürze
- Entscheiden Sie sich vorab für einen Transkriptionsstil. Ob wortwörtlich, geglättet oder als Zusammenfassung: Jedes Format dient einem anderen analytischen Zweck.
- Aus der Einwilligungserklärung sollte hervorgehen, dass Sie das Gespräch aufzeichnen und transkribieren, wer das Material einsehen darf, wie Identitäten geschützt werden und wie lange die Daten gespeichert bleiben.
- Anonymisieren Sie den Text und behandeln Sie auch die Audiodatei als personenbezogenes Datum, denn schon die Stimme allein kann jemanden identifizieren.
- Prüfen Sie das Transkript anhand der Tonaufnahme, vor allem bei Zitaten, die Sie veröffentlichen wollen. Automatisch erstellte Texte enthalten Fehler.
- Die Vorgaben sind je nach Hochschule und Land verschieden. Halten Sie sich an das, was Ihre Ethikkommission und Ihr Datenschutzbeauftragter vorgeben.
Was Sie vorab mit der Ethikkommission klären müssen
Wer mit Menschen forscht, braucht an den meisten Universitäten und Instituten ein Ethikvotum. Dafür müssen Sie darlegen, wie Sie die Gespräche aufnehmen, verschriftlichen, speichern und weitergeben. Wenn Sie automatisch transkribieren lassen, gehört das in den Antrag: Nennen Sie das konkrete Programm und erklären Sie, wo die Audiodaten verarbeitet werden. Da jede Einrichtung eigene Maßstäbe anlegt, hat Ihre Kommission das letzte Wort. Dieser Artikel fasst allgemeine Grundsätze zusammen und ist weder eine offizielle Freigabe noch eine Rechtsberatung.
Die Forschungsethik stützt sich in ihren Grundlagentexten auf drei Prinzipien: Respekt vor der Person, ein günstiges Verhältnis von Nutzen und Schaden sowie eine faire Auswahl der Teilnehmenden. Der häufig zitierte Belmont-Bericht bringt diese Grundsätze knapp auf den Punkt. Praktisch heißt das: Die Teilnehmenden müssen verstehen, worum Sie sie bitten, sie dürfen keinen Schaden nehmen, und sie müssen ihre Teilnahme jederzeit problemlos abbrechen können.1
Schreiben Sie Ihren Datenmanagementplan im Voraus. Darin halten Sie fest, wer mit den Audiodateien umgeht, wo sie liegen, wer die Transkripte lesen darf, wann die Aufnahmen gelöscht werden und was nach Projektende mit den anonymisierten Texten passiert. Ein Plan, der schon vor dem ersten Gespräch steht, lässt sich viel leichter einhalten als einer, den Sie sich hinterher zusammenreimen.
Was zur Aufnahme in die Einwilligungserklärung gehört
Schreiben Sie klar hinein, dass das Interview als Tonaufnahme aufgezeichnet und anschließend transkribiert wird, und geben Sie auch an, falls dafür eine Software zum Einsatz kommt. Erklären Sie, wer Zugriff auf die Dateien hat, wie die Identität der Befragten geschützt wird, wie das Material in Publikationen erscheint und wie lange Aufnahmen und Transkripte aufbewahrt werden. Legen Sie zum Schluss dar, wie Teilnehmende zurücktreten können und ob das auch noch geht, wenn die Auswertung schon begonnen hat.
Lassen Sie den Teilnehmenden eine echte Wahl. Fragen Sie getrennt nach der Erlaubnis zum Aufnehmen und nach der Erlaubnis, wörtlich zu zitieren, selbst wenn es anonym geschieht. Bieten Sie an, die Aufnahme jederzeit anzuhalten oder ganz zu stoppen. Wer weiß, dass er auch mal etwas außerhalb des Protokolls sagen kann, spricht bei laufender Aufnahme oft offener.
So gelingt eine Aufnahme, die sich gut transkribieren lässt
Suchen Sie sich einen ruhigen Raum. Stellen Sie das Mikrofon nah an Ihr Gegenüber und nicht einfach in die Mitte des Tisches. Machen Sie vorab eine einminütige Probeaufnahme und hören Sie kurz hinein, bevor das eigentliche Gespräch beginnt. Speichern Sie jedes Interview in einer eigenen Datei und geben Sie ihr von Anfang an einen anonymisierenden Code statt des Namens der befragten Person.
Lassen Sie die befragte Person zu Beginn nur dann einen Vornamen oder ein Pseudonym nennen, wenn Ihr Datenmanagementplan das erlaubt. Sonst sprechen Sie zum Start einfach nur den Interview-Code ein. Fallen Sie Ihrem Gegenüber nicht ins Wort und halten Sie Pausen aus. Auch Schweigen ist ein Datum, und wenn zwei Leute gleichzeitig reden, lässt sich das beim Transkribieren nur schwer auseinanderhalten.
Werden im Gespräch mehrere Sprachen gemischt, zum Beispiel Hebräisch, Arabisch und Englisch, notieren Sie das vor dem Transkribieren in Ihrem Forschungsprotokoll. Bei einer automatischen Transkription müssen Sie solche mehrsprachigen Stellen besonders gründlich nachprüfen.
Welcher Transkriptionsstil passt zu Ihrer Auswertung?
Ihr Transkriptionsstil sollte zu Ihrer Auswertungsmethode passen. Eine strikt wörtliche Transkription (True Verbatim) hält auch Zögern, Wiederholungen, Satzabbrüche und Füllwörter fest und eignet sich damit für Diskurs- und Konversationsanalysen. Eine geglättete wörtliche Transkription (Clean Verbatim) streicht Füllwörter und abgebrochene Sätze, behält aber den genauen Wortlaut bei. Das passt für die meisten thematischen Analysen. Eine bloße Zusammenfassung taugt nur für einen ersten Überblick. Halten Sie im Methodenteil fest, nach welchen Regeln Sie transkribiert haben.
Überlegen Sie sich vorab, wie Sie Pausen, Lachen, gleichzeitiges Sprechen und unverständliche Stellen kennzeichnen, und ziehen Sie diese Schreibweise konsequent durch. Automatische Transkriptionsprogramme liefern meist einen Entwurf, der einer geglätteten wörtlichen Fassung nahekommt. Brauchen Sie für Ihre Methode feinere Details, müssen Sie diese Zeichen beim Abhören von Hand nachtragen.
Lassen Sie Sprecherkennungen und Zeitmarken im Text stehen. Damit finden Sie für jedes Zitat in Ihrem Entwurf sofort die genaue Stelle in der Aufnahme wieder. Prüfer und Gutachter im Peer-Review fragen das gelegentlich an.
Interviewmaterial richtig anonymisieren
Ersetzen Sie die Namen von Personen, Orten, Arbeitsstellen und Institutionen durchgängig durch Codes oder Pseudonyme. Den Schlüssel, der diese Codes den echten Identitäten zuordnet, legen Sie in einer getrennten, gesicherten Datei ab. Mit den Eigennamen allein ist es aber nicht getan: Ein seltener Beruf, ein kleiner Ort oder ein besonderes Ereignis kann jemanden genauso verraten, selbst wenn der Name fehlt. Wer in kleinen Gemeinschaften forscht, sollte sich gut überlegen, ob sich bestimmte Beschreibungen überhaupt gefahrlos veröffentlichen lassen.
Denken Sie daran, dass eine Stimmaufnahme ein biometrisches Datum ist, an dem man die sprechende Person erkennen kann. Sichern Sie Audiodateien deshalb mit strengeren Zugriffsrechten als Texttranskripte und löschen Sie sie nach dem Zeitplan in Ihrem Datenmanagementplan. Prüfen Sie, wo Ihr Transkriptionsprogramm Dateien verarbeitet, und sprechen Sie vor dem Hochladen sensibler Interviews mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. KolWrite beschreibt seine Sicherheitsvorkehrungen auf einer eigenen Sicherheitsseite: verschlüsselte Verbindungen, Speicherung mit AES-256, Server in Deutschland, namentlich genannte KI-Anbieter und die feste Regel, keine KI-Modelle mit den Inhalten von Kunden zu trainieren.
Das Transkript prüfen und für die Kodierung vorbereiten
Hören Sie sich die komplette Aufnahme mit dem Transkript vor Augen an und bessern Sie Fehler direkt beim Mitlesen aus. In KolWrite laden Sie die Audiodatei hoch, lassen ein Transkript mit Sprecherkennungen und Zeitmarken erstellen, korrigieren Wörter und Sprechernamen direkt im Browser und exportieren den fertigen Text dann als TXT, DOCX oder JSON für Ihr Auswertungsprogramm. Automatisch erstellte Texte haben immer ein paar Fehler, und in der Forschung kann schon ein falsch verstandenes Wort zu einem falschen Schluss führen.
Passen Sie besonders bei Verneinungen, Zahlen, Organisationsnamen, Fachbegriffen und an Stellen mit Sprachwechseln auf. Jede Passage, die Sie wörtlich zitieren wollen, sollten Sie sich ein zweites Mal anhören. Prüfen Sie das Zitat dabei im gesamten Zusammenhang statt als isoliertes Bruchstück.
Ist das Transkript geprüft, laden Sie die bereinigte Fassung in Ihre Software zur qualitativen Datenanalyse oder kodieren direkt im Textverarbeitungsprogramm. Achten Sie auf eine saubere Versionsverwaltung, damit Sie bei einer Überprüfung genau die Fassung vorlegen können, die Sie auch ausgewertet haben.
Häufige Fragen
Darf ich für Forschungsinterviews eine automatische Transkription nutzen?
Oft ja, solange Ihre Ethikkommission und Ihr Datenmanagementplan das erlauben. Nennen Sie das Programm in Ihrem Ethikantrag, prüfen Sie den erzeugten Text anhand der Originalaufnahme und beschreiben Sie das Vorgehen im Methodenteil.
Sollte ich wortwörtlich transkribieren?
Das richtet sich nach Ihrer Methode. Für Konversations- und Diskursanalysen brauchen Sie alle Details einer strikt wörtlichen Transkription (True Verbatim). Für eine thematische Analyse reicht meistens eine geglättete wörtliche Fassung (Clean Verbatim).
Wie anonymisiere ich ein Transkript?
Ersetzen Sie Namen und andere verräterische Angaben durchgängig durch Codes und speichern Sie die Zuordnungsliste getrennt an einem sicheren Ort. Achten Sie auch auf indirekte Details, die zusammengenommen doch wieder verraten könnten, um wen es sich handelt.
Ist eine Sprachaufnahme ein personenbezogenes Datum?
Ja. Weil man einen Menschen an seiner Stimme erkennen kann, müssen Sie Tonaufnahmen als identifizierende personenbezogene Daten behandeln und den Zugriff entsprechend einschränken. Halten Sie sich dabei immer an die Datenschutzvorgaben Ihrer Einrichtung.
Kommt KolWrite mit mehrsprachigen Interviews zurecht?
KolWrite transkribiert Aufnahmen in über 100 Sprachen, auch wenn im Gespräch etwa Hebräisch und Englisch gemischt werden. Stellen, an denen die Sprache wechselt, sollten Sie aber immer noch einmal anhand der Tonaufnahme gegenprüfen.
