Das Wichtigste in Kürze
- Mitten im Satz zwischen Hebräisch und Englisch zu wechseln, ist in Israel ganz normal. Für jedes Transkriptionssystem gehört das aber zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt.
- Die meisten Fehler passieren bei den englischen Wörtern: Namen, Produktbezeichnungen, Akronyme und Fachbegriffe, die mit hebräischem Akzent gesprochen werden.
- Guter Ton bringt mehr als jede Software-Einstellung. Ein nah platziertes Mikrofon fängt auch kurze englische Wörter ein, die der Raumklang sonst verschlucken würde.
- Prüfen Sie den Text in einer festen Reihenfolge: erst Namen, dann Zahlen, zuletzt die Fachbegriffe. Hören Sie überall dort in die Aufnahme hinein, wo die Sprache wechselt.
- Legen Sie einmal fest, ob Sie englische Begriffe mit lateinischen oder hebräischen Buchstaben schreiben, und ziehen Sie diese Regel im ganzen Dokument durch.
Was zählt als gemischte hebräisch-englische Sprache?
Sprachwissenschaftler nennen es Code-Switching, wenn jemand im Gespräch oder mitten im Satz von einer Sprache in eine andere wechselt. In Israel passiert das ständig. Ein Produktmanager erwähnt, dass sich ein Sprint verzögert, weil ein Deployment fehlgeschlagen ist. Eine Ärztin erklärt etwas auf Hebräisch und nennt das Medikament beim englischen Namen. Ein Student beantwortet eine Frage auf Hebräisch und zitiert dabei einen Begriff aus einem englischen Lehrbuch.
Das hat nichts mit nachlässiger Sprache zu tun. In vielen Berufen redet man einfach so miteinander, und oft trifft das englische Wort die Sache am genauesten. Für das Transkript heißt das allerdings: In einer einzigen Aufnahme können zwei Schriftsysteme mit gegenläufiger Schreibrichtung, zwei verschiedene Lautsysteme und viele Mischwörter stecken, die zu keiner der beiden Sprachen ganz gehören.
Warum ist gemischte Sprache so schwer zu transkribieren?
Spracherkennungssoftware gleicht mögliche Sätze mit dem Ton ab und berechnet, was am wahrscheinlichsten gesagt wurde. Wird durchgehend Hebräisch oder durchgehend Englisch gesprochen, helfen die Wörter davor und danach dem System, richtig zu liegen. Genau dort, wo die Sprache wechselt, bricht dieser Zusammenhang aber weg. Das System hat kaum Anhaltspunkte und muss im Bruchteil einer Sekunde entscheiden, ob ein Laut zu einem hebräischen oder einem englischen Wort gehört.
Akzente machen es noch schwerer. Wer einen englischen Markennamen oder Fachbegriff mit hebräischen Vokalen ausspricht, klingt oft eher nach einem echten hebräischen Wort als nach dem englischen Original. Besonders oft trifft es kurze Wörter. Ein zweisilbiger englischer Begriff mitten in schnellem Hebräisch lässt dem System kaum Tonmaterial zum Auswerten.
Dazu kommt das Schriftsystem. Selbst wenn die Software den Laut richtig erkennt, muss sie sich für ein Alphabet entscheiden. Sonst steht derselbe Begriff in der einen Zeile in lateinischen Buchstaben und in der nächsten in hebräischen. Das Dokument lässt sich dann viel schlechter durchsuchen und gegenlesen.
Wie bereitet man eine Aufnahme mit Sprachwechseln vor?
Fangen Sie beim Mikrofon an. Stellen Sie es nah an die sprechende Person, statt einfach ein Smartphone in die Tischmitte zu legen. Wenn es im Raum hallt, gehen kurze englische Wörter als Erstes unter, weil sie akustisch weniger Gewicht haben als das Hebräisch drumherum. Nehmen Sie wichtige Sprecherinnen und Sprecher wenn möglich einzeln mit einem Headset oder Ansteckmikrofon auf.
Bitten Sie alle Teilnehmenden, Namen und Akronyme beim ersten Mal deutlich auszusprechen und ungewöhnliche Abkürzungen einmal kurz zu buchstabieren. Die paar Sekunden im Meeting sparen später beim Gegenlesen mehrere Minuten. Behalten Sie außerdem die originale Audiodatei und konvertieren Sie sie nicht mehrfach, denn jede Komprimierung schluckt feine Klangdetails.
Wenn Sie die Aufnahme bei KolWrite hochladen, wählen Sie Hebräisch als Hauptsprache, sofern das Gespräch überwiegend auf Hebräisch läuft. KolWrite ist für den Wechsel zwischen Hebräisch und Englisch gebaut. Sprecherkennzeichnungen und Zeitstempel bleiben erhalten, sodass Sie beim Prüfen direkt zu jeder Stelle springen können, an der die Sprache wechselt.
Was gilt für technische, medizinische und juristische Fachbegriffe?
Am Fachvokabular scheitert die Transkription gemischter Sprache am häufigsten. Medikamentennamen, Software-Tools, statistische Methoden und juristische Ausdrücke werden meist schnell auf Englisch eingeworfen und kommen im allgemeinen Trainingsmaterial kaum vor. Das System setzt dann leicht ein geläufiges Wort ein, das ähnlich klingt.
Behandeln Sie Fachbegriffe als feste Prüfliste. Schreiben Sie sich vor dem Gegenlesen die zwanzig wichtigsten Begriffe aus der Aufnahme auf und suchen Sie im Transkript gezielt nach jedem einzelnen. Suchen Sie auch nach typischen Schreibfehlern. Fehlt ein Begriff, den Sie erwarten, steht dort wahrscheinlich ein ähnlich klingendes Wort. Hören Sie sich genau diese Stelle in der Aufnahme an.
Bei medizinischen, juristischen und finanziellen Themen sollten Sie das automatische Transkript immer als Arbeitsentwurf behandeln. Ein falscher Medikamentenname oder eine falsche Zahl kann den Sinn komplett verdrehen. Deshalb sollte jemand vom Fach jeden kritischen Begriff mit der Originalaufnahme abgleichen.
Wie prüft man ein zweisprachiges Transkript?
Gehen Sie das Dokument in mehreren gezielten Durchgängen durch, statt es nur einmal von oben nach unten durchzulesen. Im ersten Durchgang prüfen Sie Namen von Personen, Firmen und Orten. Im zweiten Durchgang kümmern Sie sich um Zahlen, Daten und Beträge. Im dritten Durchgang gehen Sie die englischen Begriffe und Akronyme durch. Wenn Sie immer nur auf eine Kategorie achten, fallen Ihnen Fehler auf, über die Sie beim normalen Lesen hinwegsehen würden.
Klicken Sie bei jeder merkwürdigen Formulierung auf den Zeitstempel und hören Sie kurz in die Aufnahme hinein. Achten Sie vor allem auf die Übergänge, also die paar Wörter direkt vor und nach einem Sprachwechsel, denn dort häufen sich die Fehler. Auch die Sprecherkennzeichnungen geben gute Hinweise. Ist ein Sprecher falsch zugeordnet, fehlt an der Stelle oft ein ganzer Satz.
Lesen Sie den fertigen Text zum Schluss mindestens einmal laut vor. Ein hebräischer Satz mit einem englischen Begriff darin sollte natürlich klingen. Wenn Sie beim Lesen stolpern, fehlt dort meistens ein Wort oder ein Begriff wurde falsch verstanden.
Häufige Fragen
Kann KolWrite Hebräisch und Englisch in derselben Aufnahme transkribieren?
Ja. KolWrite kommt mit gemischter hebräisch-englischer Sprache zurecht und liefert auch Sprecherkennzeichnungen und Zeitstempel mit. Wie bei jeder automatischen Transkription werden aber ein paar Fehler im Text sein. Prüfen Sie deshalb Namen, Zahlen und Fachbegriffe anhand der Aufnahme nach.
Warum passieren die meisten Fehler bei englischen Wörtern?
Sie sind oft kurz, werden mit hebräischem Akzent ausgesprochen und stehen genau dort, wo die Sprache wechselt. In diesem Moment hat das System am wenigsten Kontext. Namen und Fachbegriffe trifft es dabei am stärksten.
Sollte ich für jede Sprache eine eigene Datei aufnehmen?
Nein. Für ein normales Gespräch müssen Sie die Aufnahme nicht aufteilen. Nehmen Sie einfach eine durchgehende Datei auf und achten Sie beim Gegenlesen gezielt auf die Stellen, an denen die Sprache wechselt.
Schreibe ich englische Begriffe mit lateinischen oder hebräischen Buchstaben?
Beides geht, solange Sie bei einer Linie bleiben. Für Marken, Akronyme und Fachbegriffe sind lateinische Buchstaben üblich. Legen Sie Ihre Regel vor dem Bearbeiten fest und ziehen Sie sie im ganzen Dokument durch.
Muss ich das Transkript auch prüfen, wenn der Ton klar war?
Ja. Guter Ton senkt die Fehlerzahl zwar deutlich, verhindert aber nicht jeden Fehler. Prüfen Sie immer alle Namen, Zahlen und Fachbegriffe, bevor Sie den Text weitergeben oder veröffentlichen.
